Die Einnahme von THC und CBD bei Epidermolysis bullosa

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Die kombinierte Einnahme von THC und CBD zur Behandlung von Schmerzen bei Epidermolysis bullosa: Drei Fallberichte

Epidermolysis bullosa (EB), eine genetisch bedingte Hautkrankheit, ist äußerst schmerzhaft und durch Blasen und Wunden gekennzeichnet. Auf Opioid Verabreichung angelegte Therapien sind ein profanes Mittel zur Schmerzbehandlung, führen bei der EB aber nur bei einem geringen Anteil von Patienten zu einer nennenswerten Schmerzunempfindlichkeit (Analgesie).

In der am 22. Oktober 2018 im British Journal of Dermatology (kurz BJD) veröffentlichten Publikation widmen sich die Wissenschaftler N.H.B. Schräder, J.C. Duipmans, B. Molenbuur, A.P. Wolff und M.F. Jonkman vom dermatologischen Institut der Universität Groningen der Frage, ob die Kombination der Pflanzenwirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) sowie Cannabidiol (CBD) in Patienten mit Epidermolysis bullosa zu den erwünschten Effekt der Schmerzlinderung oder Schmerzausschaltung führt.

Die Schmetterlingskrankheit Epidermolysis bullosa!

Die Epidermolysis bullosa, umgangssprachlich auch als Schmetterlingskrankheit bekannt, verdankt ihren Namen, der schmerzhaften Verletzlichkeit oberer Schichten der Haut, die durch einen angeborenen Gendefekt zur Vernarbung und Blasenbildung im umliegenden Gewebe neigt. Der irreversible Hautaufbau epidermaler Gewebeschichten ist durch veränderte Gene gestört, die als Kollagen beziehungsweise Keratin Stützfunktionen im Aufbau der Haut übernehmen. So ist das Keratin ein Strukturprotein, welches durch seine Faserstruktur vor allem die Festigkeit von Zellen beeinflusst, wohingegen das Kollagen maßgeblich die Stützstruktur des Bindegewebes beeinflusst.

Laut dem Deutschen Ärzteblatt ist in naher Zukunft mit mehr als 4700 EB Erkrankungen zu rechnen, mit dem Hinweis, dass es bis dato keine wirksame Therapie für diese schmerzhafte Krankheit gibt. Weit angelegte Studien zeigten in der Vergangenheit, dass erfolgreiche Behandlungen der juckenden Hauterkrankung in Einzelfällen mit Retinoiden, Antibiotika, Vitamin E und anderen Medikamenten zu keinem nennenswerten Ergebnis in Bezug zu großen Patientengruppen bildeten und somit dringend notwendig sind. Nur eine effektive Juckreiztherapie zu Vermeidung von Kratzern wäre demnach allgemein anwendbar.

Die Wirkung von THC und CBD in Vertebraten!

Neben den bekannten Inhaltsstoffen Cannabidiol (CBD) und Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) enthält die Hanfpflanze (Cannabis) medizinisch relevante Proteine, Vitamine, Flavonoide und über 100 weitere Cannabinoide mit teilweise kaum bis gar nicht erforschtem Wirkspektrum. Die unterschiedlichen Wirkungen des THC und des CBD werden anhand zweier Cannabis-Arten offenbar: Cannabis sativa mit einem hohen THC Gehalt und Cannabis indica mit einem hohen CBD Gehalt. Die Wirkung beider Pflanzen ist wie folgt:

Cannabis sativa (hoher THC-Gehalt):

  • anregender und aktivierender Gefühlzustand
  • steigert Motivation, Inspiration und Kreativität
  • erhöht Konzentration, Aufmerksamkeit und Wachsamkeit
  • reduziert die Übelkeit z.B. bei der Chemotherapie
  • wirkt appetitanregend z.B. bei Krebs
  • wirkt schmerzlindernd und antidepressiv 

Cannabis indica (hoher CBD-Gehalt):

  • körperlicher Rausch
  • entzündungshemmend und antibakteriell
  • Schmerzlinderung bei Schmerzpatienten
  • fördert die Schlafqualität
  • wirkt appetitanregend z.B. bei Krebs
  • wirkt antidepressiv und beruhigend

Die medizinische Nutzung von THC und CBD als begleitendes Therapeutikum ohne Nebenwirkungen ist vielfältig und konnte für zahlreiche, schwerwiegende Erkrankungen belegt werden. Gerade die Erfolge des Cannabis zur Behandlung chronischer Schmerzpatienten führten zu einer Teillegalisierung des Betäubungsmittels zur medizinischen Anwendung. Bisher erwies sich die Pflanze als Multitalent zur Vermeidung gängiger Nebenwirkungen in Krankheiten wie HIV, Krebs, Parkinson und Alzheimer, um nur einige zu nennen und das Potenzial der Pflanze zur Erforschung weiterer Behandlungsmöglichkeiten steckt, wie man so schön sagt, noch in den Kinderschuhen.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie in der Zusammenfassung

Cannabinoide ahmen die Wirkungen von Endocannabinoiden nach, endogenen Liganden in den Vertebraten, die eine Schlüsselrolle bei der synaptischen Übertragung spielen. Die Schmerzmodulation ist somit ein zentraler Diskussionspunkt, der unter anderem durch die Wirkung von Cannabinoiden auf neuronale Schaltkreise über den Cannabinoid-Bindungsrezeptor (CB) erklärt wird. CB1 und CB2 Rezeptoren, deren Antagonisten sowohl CBD als auch THC sind, werden an präsynaptischen Enden von primären afferenten Schmerzkreisläufen, Gehirnregionen, welche die Nozizeption verarbeiten, exprimiert.

Drei Patienten mit Epidermolysis bullosa wurden Medikamente verabreicht, die auf Cannabinoid Basis zusammengesetzt waren und sowohl THC und CBD enthielten. Alle drei Patienten berichteten über verbesserte Schmerzwerte sowie einen verringerten Juckreiz bei einer verringerten Gesamtaufnahme pharmatypischer Analgetika. Obwohl das therapeutische Potenzial der Cannabinoide bei der Schmerzkontrolle bei EB sehr interessant ist, kann die Wirkung von Placebo auf die von den Patienten berichtete Veränderungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden und bedarf weiterer Untersuchungen.

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