Cannabidiol verbessert die Gehirn- und Leberfunktion bei Mäusen mit induzierter hepatischer Enzephalopathie

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In Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Institute und Abteilungen der Hebräischen Universität zu Jerusalem sowie der Universität Aristoteles in Thessaloniki ist es Forschern gelungen, in Mäusen mit induzierter Hepatischer Enzephalopathie, die Gehirn- und Leberfunktion wiederherzustellen. Wie der im Wissenschaftsjournal British Journal of Pharmacology veröffentlichte Artikel unter Avraham et. al zu berichten weiß, gilt dies für jene Modellorganismen, die unter Laborbedingungen Cannabidiol (CBD) einen Wirkstoff aus der Hanfpflanze extrahiert wurde.

Hepatische Enzephalopathie als Folge akuten Leberversagens?

Unter Hepatischer Enzephalopathie (HE) wird eine Leber-Gehirn-Funktionsstörung zusammengefasst, deren Ursache eine unzureichende Entgiftung der Leber ist. Als Begleiterscheinung eines akuten Leberversagens (Leberinsuffizienz) oder einer Leberzirrhose zeigt sich die HE bei nahezu allen Patienten mit vorherrschendem Krankheitssymptom und führt zu einer erhöhten Mortalitätsrate mit vorausgehender kognitiver und motorischer Beeinträchtigung, die bis zum Koma führt, dem hepatischen Koma (Coma hepaticum).

Die unzureichende Entgiftungsfunktion der Leber beziehungsweise deren reduzierte Leberfunktion führt zu einem Anstieg verschiedener Substanzen im Körper, deren schwerwiegendster Akteur das Ammoniak ist. Als Abbauprodukt des Aminosäurestoffwechsels gelangt das Ammoniak über die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn und reichert sich in den Astrozyten als Glutamin an. Eine Volumenerweiterung des Gewebes mit Wasseranreicherung aufgrund des erhöhten osmotischen Drucks ist die Folge dieses Prozesses und kann im schlimmsten Fall ein Gehirnödem verursachen.

Die verschiedenen Ausprägungen der Hepatischen Enzephalopathie

Unterschiedliche Verläufe und Symptome der schwerwiegenden Erkrankung führten zu einer Einteilung des Krankheitsbildes je nach Ausbildung und Schweregrad. Die mildeste Ausprägung der Hepatischen Enzephalopathie zeigt kaum klinische Defizite, ist jedoch von leichten kognitiven Dissonanzen geprägt, die den Alltag belasten können. Weitere hochgradigere Stadien sind durch Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Störungen der Feinmotorik geprägt, die sich bis zu einer Orientierungsstörung und Gedächtnisstörung mit erhöhter Muskelspannung hochschaukeln. Dieses manifestierte Krankheitsbild führt bis zur hochgradigen Bewusstseinsstörung, der Muskelsteife und im weiteren Verlauf zum Koma.

Die Therapie der Hepatischen Enzephalopathie mit Cannabidiol

Cannabidiol (CBD) ist ein Phytocannabinoid aus der Pflanze Cannabis sativa und bindet als Ligand des Endocannabinoid-Systems in Vertebraten an dessen CB1- sowie CB2-Rezeptoren. Diese Rezeptoren sind an der Bewegungsregulation und am Lernen beteiligt. Des Weiteren bindet das Molekül an den Vanilloidrezeptors TRPV1, an den Serotoninrezeptor 5-HT1A sowie an den Peroxisomen-Proliferator- Rezeptor γ (PPARγ) mit unterschiedlicher Funktion.

In der vorliegenden Studie von Avraham et. al wurden weiblichen Sabra-Mäusen Kochsalzlösung (Kontrollgruppe) oder Thioacetamid (TAA), ein Amid der Thioessigsäure verabreicht. Die Verabreichung von TAA induziert ein akutes Leberversagen, welches zu ZNS-Veränderungen führt, die homolog denen der Hepatischen Enzephalopathie (HE) sind. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind:

  • die neurologischen und kognitiven Funktionen waren bei Thioacetamid behandelten Mäusen stark beeinträchtigt und wurden durch Cannabidiol wiederhergestellt.

  • die verminderte motorische Aktivität der mit Thioacetamid behandelten Mäuse konnte teilweise durch Cannabidiol wiederhergestellt werden.

  • eine erhöhte Konzentration von HE bedingten Molekülen und Stoffen wie: Ammoniak, Bilirubin und anderen Leberenzymen sowie der 5-HT-Spiegel konnte bei Mäusen, die mit Thioacetamid behandelt wurden, durch Cannabidiol wieder normalisiert werden.

  • des Weiteren konnte die Astrogliose, eine krankhafte Vermehrung der Astrozyten im ZNS durch Behandlung mit CBD gesenkt.

Als abschließendes Resultat und Conclusio der vorliegenden Studie kann die Wiederherstellung der Leberfunktion durch Cannabidiol und die damit einhergehende Normalisierung des 5-HT-Spiegels, die Verbesserung der Gehirnpathologie sowie die Wiederherstellung von Gehirnfunktionen in der Maus angesehen werden. Die Wirkung von Cannabidiol ging weit über das zu Erwartbare hinaus und ist das Resultat seines Wirkungsspektrums sowohl auf die Leber und seine Funktionen als auch auf das Gehirn.

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