Cannabidiol und Haustiere

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Cannabidiol: Einzug in die Veterinärmedizin?

Der Artikel “Cannabis for Animals: A Look Into Cannabis as Medicine for Pets” von cannabissciencetech vermittelt eine Übersicht zu Studien über die Anwendung von Cannabisderivaten bei Haustieren. Die Möglichkeit der Anwendung von CBD (Cannabidiol)-Produkten in der Veterinärmedizin wird diskutiert. Im Folgenden werden die Inhalte des Artikels zusammengefasst.

Der Bedarf an natürlichen Behandlungsmethoden steigt

Nach wie vor fordert die American Veterinary Medical Association weitere Studien, die die Sicherheit und Effektivität von Cannabisderivaten bei Haustieren, wie z. B. bei Hund oder Katze, belegen. Bisher existieren zahlreiche Nagerstudien, in denen Cannabinoide in hohen Dosen erfolgreich eingesetzt werden konnten und zur Behandlung spezifischer Krankheitsbilder getestet wurden.

In der Humanmedizin werden Cannabisprodukte immer häufiger und auch mit guten Erfolgen bei diversen Erkrankungen verschrieben. Auch in der Veterinärmedizin steigt der Bedarf an natürlichen Behandlungsmethoden, in erster Linie auf Wunsch der Besitzer.

THC-Toxizität

Allerdings ist eine Toxizität von THC (Tetrahydrocannabinol) bei Kleintieren bekannt. Seit der Legalisierung von Marihuana in den USA, ist die Anzahl der Vergiftungsfälle dramatisch angestiegen. Die Aufnahme erfolgt durch das Fressen von kommerziell hergestellten Cannabisprodukten, Pflanzenmaterial oder das Auflecken von Ölen oder Tinkturen, aber auch durch das Inhalieren. Zeichen einer Toxizität zeigen sich innerhalb von 1-2 Stunden nach der Exposition. Die folgende Liste gibt eine Übersicht über die Symptome, die eine THC-Toxizität vermuten lassen.

Häufige Symptome sind:
-Lethargie
-Ataxie und Inkoordination
-Hypersalivation
-Erbrechen
-Zittern
-Depression
-erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen und Bewegungen
-dilatierte Pupillen
-Harninkontinenz

Symptome, die zudem bei hohen Dosen auftreten:
-Bradykardie
-Nystagmus
-komatöse Zustände
-Anfälle
Die minimale, tödliche Dosis für Hunde liegt bei über 3 g/kg THC.

Eine Studie aus 2018 untersuchte die Anfälligkeit für cannabis-induzierte Konvulsionen bei Ratten und Hunden. Bei täglichen Dosen von 27 mg/kg THC und 25 mg/kg CBD über 56 Wochen traten zentralnervöse Symptome wie Ataxie, Zittern und verminderte Aktivität auf. Das Risiko der Toxizität besteht bei einer Langzeitexposition also schon bei wesentlich geringeren Dosen als 3 g/kg. Die Wahrscheinlichkeit, dass Toxizitätsanzeichen auftreten, ist jedoch geringer bei Hanfprodukten. Die Hanf-Pflanze enthält nur geringe Gehalte (unter 0,3 %) an THC und könnte in Zukunft eine Therapieoption darstellen. Noch ist es in der Veterinärmedizin nicht erlaubt, Cannabisprodukte zu verordnen.

Studienergebnisse und der Stand der Forschung

Alle Wirbeltiere verfügen über zentrale und periphere Cannabinoid-Rezeptoren, die als Andockpunkte für die endogene Cannabinoide dienen. Das Ergebnis dieser Signaltransduktion kann verschiedene Auswirkungen haben und beeinflusst unter anderem das Immunsystem, Bewegungs- und Lernprozesse, das Schmerzempfindung und die Temperaturregulation. THC und CBD, als sogenannte exogene Cannabinoide, greifen an denselben Rezeptoren an.

Relevante Studien zum praktischen Nutzen von CBD bei Haustieren existieren zum Beispiel von der Colorado State University und der Cornell University in den USA. Die Colorado-Studie ergab, dass die CBD-Öl-Formulierung das günstigste pharmakokinetische Profil besitzt und insgesamt gut von den Hunden vertragen wurde. Die Cornell-Studie, die ein CBD-Öl von ElleVet Sciences verwendet hat, ermittelte eine Halbwertszeit für CBD von 4,2 Stunden. Die klinische Effektivität wurde daraufhin an Osteoarthritis-Hunden getestet. Bei einer Applikation von 2 mg/kg alle 12 Stunden konnte insgesamt eine reduzierte Schmerzhaftigkeit sowie eine Erhöhung der Aktivität festgestellt werden. Einige Hunde erhielten während des Behandlungszeitraums nichtsteroidale Antiphlogistika.

In beiden Studien wurden, außer der Aktivitätserhöhung eines Leberenzyms (ALP, alkalische Phosphatase), keine Blutwertveränderungen festgestellt.

Weitere Studien, die die Effektivität von CBD bei Hunden mit Osteoarthritis oder Epilepsie untersuchen, werden an der Colorado State University durchgeführt. Dosen von 5 mg/kg über mehrere Wochen werden hier untersucht. Eine Reduktion der Schmerzhaftigkeit bzw. der Anfallshäufigkeit ist die Hypothese.

Zukunftsperspektiven

Weitere Studien untersuchen die stresslindernden Effekte der Hanfanwendung. Stress bei Tieren, die der Futtermittelerzeugung dienen, kann den Ertrag mindern. Der Einsatz von Hanf könnte zur Steigerung des Wohlbefindens der Tiere beitragen.

Die Forschung konzentriert sich zudem auf die Untersuchung der Verteilung von Cannabinoid-Rezeptoren. Bei Hunden und Katzen wurden diese auch in epidermalen Geweben gefunden, was eine topische Anwendung von Cannabisderivaten möglich macht. Auch in gastrointestinalen Geweben befinden sich die Rezeptoren. Hier wird evaluiert, inwiefern die Anwendung von Cannabisderivaten chronische Enteropathien beeinflusst. Und auch in der Krebstherapie könnte CBD die Linderung der Symptome, die im Zuge einer Chemo- oder Strahlentherapie auftreten, bewirken. Ergebnisse zu den Effekten auf Tumorzellen stehen noch aus.

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