Ist Cannabidiol ein vielversprechendes Heilmittel zur Behandlung und Vorbeugung von Bewegungsstörungen?

0
14

In ihrem, in dem Wissenschaftsjournal Frontiers in Pharmacology am 11. Mai 2018 veröffentlichten Review (dt. Kritik, Rezension) widmen sich die Wissenschaftler: Fernanda F. Peres, Alvaro C. Lima, Jaime E. C. Hallak, José A. Crippa, Regina H. Silva und Vanessa C. Abílio unter Beteiligung des Labors für Verhaltensneurowissenschaften und Pharmakologie der Bundesuniversität São Paulo, dem medizinischen Institut in Ribeirão Preto sowie dem Institut für Neurowissenschaften und Verhaltensforschung der Universität von São Paulo in Ribeirão Preto der Frage, ob Cannabidiol (CBD) ein vielversprechender Bewegungsinhibitor beziehungsweise ein wirksames Heilmittel zur Behandlung und Vorbeugung von Bewegungsstörungen ist.

Die Wirkmechanismen von CBD!

Cannabidiol (CBD) ist eines der über 100 in der Pflanze Cannabis sativa identifizierten Phytocannabinoide und deren zweithäufigster Bestandteil. CBD wurde 1940 erstmals von Adams et al. und Kollegen aus dem Marihuana isoliert. In der menschlichen Neurophysiologie hat Cannabidiol verschiedene molekulare Ziele.

Als Agonist bindet das Molekül an die CB1- sowie CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems in Vertebraten. Des Weiteren ist CBD ein Agonist des Vanilloidrezeptors TRPV1 und hemmt die enzymatische Hydrolyse und Wiederaufnahme des Hauptendocannabinoids Anandamid. In weiteren Studien konnte gezeigt werden, dass Cannabidiol ebenfalls, die durch den Serotoninrezeptor 5-HT1A vermittelte Neurotransmission erleichtert. Inwiefern das Molekül diese Wechselwirkung beeinflusst konnte jedoch noch nicht hinreichend geklärt werden. Als Aktivator des Peroxisomen-Proliferator- Rezeptors γ (PPARγ) ist Cannabidiol ebenfalls am Glucose Stoffwechsel und der Lipidspeicherung beteiligt. Hier zeigt es als Ligand entzündungshemmende Wirkungen.

Neurodegenerative Erkrankungen und ihre Symptome

Zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen gehört die Parkinson-Krankheit, die circa 1 % der Bevölkerung über 60 Jahre betrifft. Diese Krankheit ist durch motorische Beeinträchtigungen in Form von Hypokinese, Zittern sowie Muskelsteifheit und nicht motorische Symptome, wie Schlafstörungen, kognitive Defizite, Angstzustände, Depressionen und andere psychotische Symptome, gekennzeichnet.

Im Gegensatz dazu ist Huntington-Krankheit eine tödlich verlaufende progressive neurodegenerative Erkrankung. Der Krankheitsverlauf von HD wird von motorischen Störungen, kognitiven Verlusten und psychiatrische Manifestationen beeinträchtigt.

Weitere Formen, der in dem vorliegenden Review genannten neurodegenerativen Erkrankungen, auf deren Wirkmechanismus CBD eine entscheidende Rolle zur Linderung spielt, sind Dystonien, eine Form abnormaler Muskelkontraktionen sowie Körperhaltungen sowie Spastiken, wie sie bei der Multiplen Sklerose auftreten.

Die Ergebnisse des vorliegenden Reviews in der Zusammenfassung

Wird das Wirkpotenzial von CBD als Therapiestrategie zur Behandlung neurodegenerativen Erkrankungen untersucht, ist das wichtigste Anliegen, welche zusätzlichen Gefahren von CBD ausgehen könnten. In diesem Zusammenhang konnten verschiedene präklinische und klinische Berichte aufzeigen, dass Cannabidiol auf zahlreiche wichtige metabolische und physiologische Parameter wie Glykämie, Blutdruck und Herzfrequenz keinen Einfluss hat. Die in dem vorliegenden Review gesammelten und untersuchten Daten weisen auf eine Schutzfunktion von CBD bei der Behandlung beziehungsweise Prävention einiger Bewegungsstörungen hin.

Obwohl die Anzahl der vorliegenden Studien noch rar sind, scheint CBD bei der Behandlung von Dystonie, insbesondere bei der Multiplen Sklerose und Huntington wirksam zu sein und dies vor allem in Kombination mit THC in einem Verhältnis von 1:1. Zahlreiche Studien belegen, dass die Nebenwirkungen der neurodegenerativen Erkrankungen wie Sedierung, Gedächtnisstörungen und Psychose signifikant vermindert werden.

Die Wirksamkeit von CBD bei der Behandlung von Spastik sowie der Verbesserung der Lebensqualität von degenerativen Erkrankungen durch eine Reduzierung der Nebenwirkungen weisen auf eine Wirksamkeit des Heilmittels hin. Leider konnten die vorklinischen Studien bei der Behandlung von Bewegungsstörungen im Zusammenhang mit Parkinson am Menschen nicht bestätigt werden. Vielmehr ist nach den erfolgreichen Tierstudien davon auszugehen, dass CBD eher eine präventive statt eine therapeutische Rolle zugeordnet werden kann. Das wesentliche Fortschreiten der Krankheit bei vorliegenden Studien könnte die Studien nachteilig beeinflusst haben. Es konnte gezeigt werden, dass die Dosis und die Dauer der Behandlung sowie das Stadium der Erkrankung wesentlichen Einfluss auf die Wirksamkeit des CBDs haben. Es kann jedoch als erwiesen betrachtet werden, dass Cannabidiol in vitro als auch in Tiermodellen ein antioxidatives und entzündungshemmendes Profil für Bewegungsstörungen aufweist.

Comments are closed.