Cannabinoide als neuartige entzündungshemmende Medikamente!

0
34

In der im Journal Future Medicinal Chemistry 2009 veröffentlichten Zusammenfassung widmen sich die Forscher um Nagarkatti et al. der Wirksamkeit und der potenziellen Verwendung von Cannabinoiden als neue Klasse entzündungshemmender Mittel gegen eine Reihe von Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen, die hauptsächlich durch aktivierte T-Zellen oder andere zelluläre Immunkomponenten ausgelöst werden. Das 16-seitige Review geht dabei ausführlich auf die Cannabinoide und deren Einsatz als potentes entzündungshemmendes Mittel ein und diskutiert dies im Zusammenhang mit entzündlichen und autoimmunen Krankheitszuständen.

Cannabinoide – die Wirkstoffe des Cannabis!

Unter Cannabis beziehungsweise Marihuana versteht man die pflanzlichen Komponenten, zumeist der weiblichen Blüten der Hanfpflanze und deren Wirkstoffe, die Cannabinoide.

Taxonomisch betrachtet, ist Cannabis eine Pflanzenfamilie, zu der auch, der für das Bier brauen verwendete Hopfen (Humulus) gehört. Innerhalb dieser Familie, den Cannabaceae, bilden die Hanfgewächse mit der Gattung Hanf (Cannabis) drei Arten aus: Cannabis indica, Cannabis sativa sowie Cannabis ruderalis.

Seit mehreren Jahrhunderten wird Marihuana in vielen Kulturen als Alternativmedizin eingesetzt. In jüngster Zeit mehren sich die positiven Wirkungen und Effekte von Cannabis auch in der westlichen Medizin:

  • in der Krebstherapie sowie bei HIV, Hepatitis C, Schwangerschaft, Migräne zur Unterdrückung von Übelkeit

  • als Appetitanreger bei HIV, Krebs, Hepatitis C, u.a.

  • zur Linderung von Bewegungsstörungen bei Multiple Sklerose, Querschnittslähmung, Spastik, Verspannungen, Tourette-Syndrom, Dystonie, Parkinsonkrankheit, u.a. 

  • zur Schmerzlinderung bei Migräne, Neuralgien, Arthrose, Fibromyalgie, Krebs, u.a.

  • als Antiallergen

  • lindert den Juckreiz bei Schuppenflechten und Neurodermitis, u.a.

  • wirkt als Entzündungshemmer bei Asthma, Arthritis, Rheuma, Morbus, Neurodermitis, Psoriasis, u.a.

  • wird zur Behandlung psychischer Erkrankungen wie bipolare Störungen, posttraumatische Belastungsstörung, Depressionen, Schlaflosigkeit, Autismus, Alzheimer Angststörungen, ADHS, und anderen eingesetzt

Die Cannabinoid Pharmakologie hat nach der Entdeckung der Cannabinoid Rezeptoren (CB1 und CB2) wichtige Fortschritte gemacht. Das Endocannabinoidsystem bietet somit für die Untersuchung der therapeutischen Wirkungen von Cannabinoiden eine sehr geeignete Plattform. Unter den circa 100 im Hanf nachgewiesenen Cannabinoiden befinden sich bekannte Vertreter wie das THC und CBD, jedoch auch kaum beziehunsgweise noch gar nicht erforschte Wirkkomponenten. Die Cannabinoide lassen sich grob in 12 Gruppen einteilen, mit wichtigen Vertretern wie:

  • Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), wirkt sowohl schmerzlindernd und muskelentspannend als auch appetitanregend und aufheiternd

  • Cannabidiol (CBD), reduziert Schlafstörungen sowie Bewegungsstörungen bei neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie 

  • Cannabigerol (CBG), wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd

  • Cannabichromen (CBC), ist ein Antidepressivum und wirkt beruhigend sowie schmerzlindernd

  • Cannabinol (CBN), ist ein antibakterieller Wirkstoff

  • Cannabidivarin (CBDV), wirkt antiepileptisch und krampflösend

  • Tetrahydrocannabivarin (THCV), ist ein Wirkmittel gegen Stress und Erschöpfung und zügelt den Appetit

  • 9-Tetrahydrocannabinolsäure (THCA), wirkt appetitanregend und entzündungshemmend

Merkmale von Autoimmunerkrankungen!

Autoimmunerkrankungen sind Krankheiten, deren Verlauf durch eine Intoleranz des eigenen Immunsystems gegenüber dem eigenen Körper geprägt ist. Äußere Faktoren, wie Stress, Infektionen sowie eine Schwangerschaft erhöhen das Risiko, eine Autoimmunerkrankung zu erleiden, wobei eine genetische Disposition den Risikofaktor erheblich erhöht.

An einer Autoimmunreaktion des Körpers sind verschiedene Zellen des Immunsystems beteiligt, die sich ähnlich einer Allergie, anstatt gegen Krankheitserreger, als angeborene Immunantwort, gegen die eigenen Körperzellen richtet.

Neben den bekannteren Autoimmunerkrankungen, wie: Krebs, Rheumatoide Arthritis, Lebererkrankungen, Multiple Sklerose sowie Schuppenflechten, gehören auch weniger bekannte Krankheitssymptome wie Psoriasis und Morbus Crohn zu dieser Form der Erkrankung.

Zusammenfassend ist das Hauptmerkmal einer Autoimmunkrankheit, dass die Unterscheidung zwischen selbst und fremd bei dieser schwerwiegenden Erkrankung außer Kraft getreten ist.

Conclusio der vorliegenden Studie!

Bisherige Studien weisen darauf hin, dass die wichtigste pharmakologische Funktion des Endocannabinoidsystems in der Neuromodulation besteht: Kontrolle der Motorik, der Kognition, der emotionalen Reaktionen, der Homöostase und der Motivation. In der Peripherie ist dieses System jedoch ein wichtiger Modulator des Immunsystems und anderer wichtiger Stoffwechselprozesse.

Die Verwendung natürlicher sowie synthetischer Cannabinoide und Endocannabinoide in der Entwicklung entzündungshemmender Medikamente könnte ein Meilenstein in der Medizinforschung sein.

Cannabinoide sind potente entzündungshemmende Mittel, die durch Induktion der Apoptose, durch Hemmung der Zellproliferation sowie durch die Unterdrückung der Zytokinproduktion und Induktion von T-regulatorischen Zellen auf den körpereigenen Stoffwechsel positiv einwirken. Ihr Einsatz als Entzündungshemmer bei autoimmunen Erkrankungen ist daher sehr vielversprechend.

Comments are closed.